René König und die „Kölner Schule“

Soziologie in der westdeutschen Nachkriegszeit

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René König und die „Kölner Schule“

Die „Kölner Schule“ stellt neben der „Frankfurter Schule“ und dem Münsteraner Kreis eine zentrale Strömung der Soziologie in der westdeutschen Nachkriegszeit dar. Sie geht auf den methodologischen Einfluss des deutschen Soziologen René König (1906-1992) zurück. Weitere Vertreter der Kölner Schule sind unter anderem Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny, Jürgen Friedrichs, Rolf Ziegler, Erwin K. Scheuch und Franz Urban Pappi. Die Frage, ob es tatsächlich gerechtfertigt ist, von einer „Kölner Schule“ der Soziologie zu sprechen, ist in Fachkreisen umstritten, wird in der jüngeren Forschung aber bejaht. Aus diesem Grund liegen Untersuchungen zur „Kölner Schule“ bisher nur vereinzelt vor, betonen aber die Bedeutung dieses soziologischen Feldes für das Verständnis und die Einordnung der westdeutschen Nachkriegssoziologie und stellen das Werk René Königs ins Zentrum ihrer Analysen.

Akteure der Kölner Schule

Als wichtigster Einflussgeber und Akteur der Kölner Schule gilt der 1906 in Magdeburg geborene René König. In Berlin wurde König 1929 mit einer Dissertation zur naturalistischen Ästhetik in Frankreich zum Doktor der Philosophie promoviert und 1938 in Zürich für Soziologie habilitiert, nachdem er 1937 in die Schweiz emigriert war. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte König zurück nach Deutschland. Er war zwischen 1949 und 1974 als ordentlicher Professor für Soziologie an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät zu Köln angestellt und hatte zwischenzeitlich Gastprofessuren in den USA, in Afghanistan und verschiedenen europäischen Hochschulen inne. Eines seiner weiteren Forschungsfelder war die Ethnologie und auch als Übersetzer literarischer Werke war er tätig. Zu seinen übersetzten Werken gehört unter anderem der Roman „Sizilien. Ein Buch von Städten und Höhlen, von Fels und Lava und von der grossen Freiheit des Vulkan“ (1943) von Giovanni Verga.

Soziologe Rene König und die Kölner Schule

Rene König

René König setzte sich nach 1945 mit der Mentalität der deutschen Nachkriegsgesellschaft auseinander und forschte im Feld der empirischen Soziologie. Sein 1958 erschienenes, immer wieder neu aufgelegtes „Fischer Lexikon der Soziologie“ wurde mit einer halben Million Exemplare nicht nur ein Bestseller, sondern eines der erfolgreichsten wissenschaftlichen Bücher überhaupt: weil es klug gedacht und gut geschrieben ist. König war von zahlreichen politischen und soziologischen Ideen beeinflusst, die sich zum Teil widersprechen. Königs Werk wurde durch seinen „Eklektizismus“ und die zum Teil polemischen Thesen häufig zum Gegenstand der Kritik. Unter anderem war König von der kulturanthropologisch orientierten Berliner Sozialwissenschaft um Richard Thurnwald und Max Dessoir geprägt.

König hat sich besonders von der französischen Kultur des 19. Jahrhunderts beeinflussen lassen: Er stand der französischen Soziologie (u.a. Durkheim, Halnwachs und Mauss) nahe und hat insbesondere die „Durkheim-Schule“ in seine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der historisch-existenzialistischen Soziologie einbezogen. Außerdem hat König sich grundlegend mit verschiedenen Strömungen des französischen Sozialismus auseinandergesetzt. Die Vielseitigkeit seiner Forschungsinteressen, seine Mehrsprachigkeit (u.a. vier europäische Sprachen ) und seine zahlreichen internationalen Aufenthalte weisen ihn als einen hochgebildeten Weltbürger aus. René König verstarb am 21.3.1992 in Köln-Widdersdorf im Alter von 85 Jahren.

Die an der US-amerikanischen Sozialwissenschaft orientierte quantitative Ausrichtung der empirischen Sozialforschung, ist ein grundlegendes Charakteristikum der Kölner Schule.

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2017-12-09T13:02:26+00:00