Ein Ghostwriter in Germanistik berichtet über Teamarbeit

Autor: Bettina K.
Datum: 01.04.2017
Als Ghostwriterin in der Germanistik bin ich nicht ausschließlich damit beschäftigt, allein an meinem Schreibtisch Texte für meine Auftraggeber zu verfassen. Besonders bei Abschlussarbeiten wie einer Masterarbeit oder einer Dissertationen ist stattdessen vermehrt Teamarbeit angesagt. Die meisten meiner Auftraggeber sind schließlich angehende Wissenschaftler, die ihre Profession ernst nehmen. Zumeist kommen sie zu mir, weil sich ihr Zeitmanagement als nicht praktikabel entpuppt hat oder sie durch andere Unwägbarkeiten aus der Bahn geworfen wurden. Diese Studenten nehmen ihr Studium ernst, sie haben sich eine These entwickelt, wissen, wie sie argumentieren wollen, doch stehen sie bei der Fertigstellung der Arbeit vor zu großen Problemen. Dann bin ich da, um ihnen wieder auf den Weg zu helfen.

Im Team geht alles leichter

Natürlich hat für mich die Teamarbeit immer den Vorteil, dass ich den Kontakt zur Akademie halte und mit neuen und interessanten Ideen konfrontiert werde. Hier kommt es zu Synergieeffekten, die dafür sorgen, dass sich die Arbeit noch leichter schreiben lässt und diese Leichtigkeit ist im Resultat klar ersichtlich. In der Germanistik wird halt gern diskutiert und das kann für ganz neue Argumentationslinien sorgen, die sonst vielleicht eher nicht aufgetaucht wären. Auch exotische Quellen tauchen dabei auf, die vielleicht nicht immer angemessen sind, aber an andere Stelle für positives Aufsehen sorgen können. Meine Auftraggeber sind angehende Akademiker, die sich in ihrem Schwerpunktbereich hervorragend auskennen. Deshalb kann ich auch nach jahrelanger Arbeit als Ghostwriterin immer noch von meinen jüngeren Kollegen lernen. Dadurch wird mein Archiv kontinuierlich um hervorragende Quellen bereichert.

Vorteile aus der Synergie

Meine Auftraggeber ziehen aus der Teamarbeit mit Sicherheit noch mehr Vorteile als ich. Der aktuelle Forschungsstand ist die Basis meines Archivs. Ich habe daher stets die passenden Quellen parat und weiß, welche Fußnoten unerlässlich sind. Der Forschungsstand ist bei uns Germanisten schließlich immer noch so etwas wie der Heilige Gral. Aber ich bringe auch genug praktische Fähigkeiten mit, ich kann strukturieren und bin nicht in Panik, weil da ein Abgabetermin droht. Damit kann ich meinen Auftraggebern die schlimmsten Befürchtungen nehmen. Diese Freiheit hilft ihnen dabei, sich stärker auf ihre Argumentation zu konzentrieren, denn sie wissen, dass ich die Arbeit zu Ende bringe, auch wenn die Zeit knapp ist.

Durch diese Entspannung wird die Argumentation schlüssiger, weil die mentalen Blockaden aus dem Weg geschafft sind. Meine Hilfe kann aber auch bei einem anderen, ebenso verbreiteten Problem helfen. Eine gemeinsam entwickelte Verschlankung der Gliederung kann nämlich der Argumentation zu mehr Klarheit verhelfen. Und das Teamwork sorgt dafür, dass trotz meiner Eingriffe die Arbeit meiner Auftraggeber auch wirklich ihre Arbeit bleibt. Ich assistiere nur, um den Text zu vollenden.